Sonntag, 29. Juni 2008

Fleischsuppe

Ich bin in Beppu. Eigentlich wollte ich seit Tokushima die kleineren Orte etwas meiden. Kumahachi Aburaya (Statue) hat sich vor langer Zeit das Ziel gesetzt einen Ort bekannt zu machen. Er hat schon vor Jahrzehnten grosse Werbekampagnen in ganz Japan gemacht. Sein Slogan war „Best of Japan: Mt. Fuji, Seto Inland See and Beppu Hot Springs”. Der gute Mann lebt jetzt nicht mehr, seine Kampagne hat damals aber gut eingeschlagen und heute kommen sogar Leute aus der Schweiz nach Beppu. Die heissen Quellen sind auch wirklich Hitverdächtig. Gestern war ich in zwei Bädern. Das erste war ein alt-traditionelles Bad. Die Wassertemparatur war mit 42 C angegeben. Es war heiss, ich konnte es aber aushalten. Im zweiten Bad wurde ich ausgelacht (nicht böösartig). Ich wollte in das Bad steigen, musste aber sofort wieder rausspringen weil ich mir die Füsse verbrühte. Sie haben dann extra für mich den grossen Kaltwasserwasserhanen voll aufgedreht um das Wasser auf eine für mich erträgliche Temperatur zu kühlen. Wassertemparatur war auch mit 42 Grad angegeben. Heute morgen bin ich zu erst mal ein Stück Bus gefahren und dann 40 Minuten einen Berg hochgewandert um zu meinem ersten Rotemburo zu kommen. Die Zeit und die Mühen haben sich gelohnt. Das kleine aber feine Freiluft-Gratisbad war in einer Gegend so ähnlich wie Osore-zan eingebettet. Schwefel in der Luft, sonst aber wunderschön. Und was auch noch ganz angenehm war, es herrschten Schweizer Wassertemperaturen. Von Nabeyama-no-yu wollte ich dann ins Schlagenbad. Das hiess den halben Weg wieder runter und bei der Verzweigung die andere Strasse hoch. Man kann, wenn man eins hat, mit dem Auto zu dem Bad fahren. Ich hatte glück und wurde mitgenommen. Stöpple war nicht mal nötig, die hielten an und fragten wo ich hin wolle. Im Schlangenbad konnte man sich auch im Bach der gleich neben den Steinbadwannen vorbeirauschte abkühlen.
Baden macht durstig. Ich hatte aber nichts zu trinken dabei. Ich ging zu den zwei Tatergreisen die wie Badmeister aussahen und fragte ob es an dem Ort was zu trinken gäbe. Da war ein kleines Häuschen und ich dachte die können mir vielleicht was verkaufen. Der eine hat mir dann aus dem Auto einen Liter Tee geholt und noch einen Sushi-Bento dazu. Ich muss einen jämmerlichen Eindruck gemacht haben dass die mich gleich durchfütterten. Bezahlen durfte ich nichts. Presento desu. Wieder gestärkt bin ich dann den Weg zurückgelaufen um mir ein weiteres Bad zu gönnen. Diesmal eins mit Eintrittsgebühr. Das Wasser war milchig weiss, alles tiefer als ca. 50cm konnte man nicht mehr sehen. Was das Wasser weiss macht weis ich nicht, es soll aber so aus der Quelle kommen. Nach dem Bad hab ich mir noch zwei Quellenparks angesehen, so genannte Höllen (weis nicht wieso Höllen). Da konnte man auch da das Wasser probieren. Schmeckt wie Wasser mit wenig kreutersalz.
Heute gehe ich noch in ein weiteres Onsen damit ich die Durchschnittlichen drei Bäder pro Tag erreiche. Ich denke es wir das Ekimae Koto Onsen sein. Das ist wie der Name schon sagt vor dem Bahnhof. Der Lonely Planet sagt es ist ein einfaches und heisses Onsen.
Morgen mach ich mich dann mit dem Sonic auf den Weg nach Nagasaki. Sonic tönt schnell und modern. Ist aber keines von beiden. Die Sitze sind aber bequem und der Holzboden schafft eine heimelige Atmosphäre.

Freitag, 27. Juni 2008

Lecker Essen

Heute gab es Aal. Das Bambi, vor dem Feuerwehrlokal von Miyajima probier ich dann ein anderes Mal. Auch die Eidechse muss zuerst noch ein paar Würmer fressen, bis sie fett genug ist, um auf meinem Teller zu landen. Bei der Schlange bin ich nicht sicher ob ich probieren will. Der Aal war auf jeden Fall lecker. Das Foto hab ich aber vergessen zumachen. Es sah auch nicht nach Aal aus, da waren nur ein paar Stücke Fisch auf dem Reis. Im Moment ist in Japan gerade ein Aal-Skandal am laufen. Eine chinesische Firma hat verschiedene Japaner geschmiert um in China produzierten Aal in Japan einzuführen. Bei der Herkunftsdeklaration haben die einen Ort angegeben an dem es gar keine Aal-Farm gibt. Der Skandal betrifft aber nur den See und Fluss Aal. Meiner sollte aus dem Meer kommen. Ob ich den Richtigen bekommen habe weiss ich aber nicht.
Mittwoch und Donnerstag war bei mir eher trübe Stimmung. Ich hab mir den Peace Memorial Park von Hiroschima zu Gemüte geführt. Da wo der jetztige Park ist war. Am 6. August 1945 um 8.14 Uhr noch ein belebtes Wohngebiet. 8.15 Uhr war da nichts mehr. Innerhalb von wenigen Sekunden wurde die Stadt mit der ersten, gegen Menschen eingesetzten Atombombe, zerstört. Für Amerika war Hiroschima ein Experiment um die Zerstörungskraft der Bombe zu testen. Nur Städte mit einem Stadtkern von +/- 4.5km Durchmesser und bis dahin noch keiner oder nur wenig Zerstörung durch Flugzeugangriffe, kamen als Ziel in Frage. Von den 4 Zielstädten hatte Hiroshima am wenigsten Alliierten Gefangenen und wurde deshalb angegriffen. Ich hab mich vor allem im Park und im Museum nicht wohl gefühlt weil ich in meiner Zeit in Japan oft als Amerikaner gehalten wurde. Es ist erstaunlich dass die USA nirgendwo für die Tat angeklagt wird. Ich glaube die Japaner haben die Bombe nicht vergessen aber sie haben den Amerikaner vergeben. Nach dem Peace Museum und der Memorial Hall hab mir gestern noch das Schloss von Hiroshima angesehen. Natürlich ist auch das nicht mehr ein Originalgebäude.
Heute war ich in Miyajima. Einer der drei „most scenic spots of Japan“. Jetzt fehlt mir nur noch der Dritte, dann hab ich das Beste gesehen. Matsushima nahe Sendai gehört auch dazu. In Miyajima ist das Torii das, bei Flut, im Wasser steht. Es zählt zu den meistfotografierten Gebilden in Japan. Ich hab nur 19 Fotos gemacht. Über den ganzen Tag waren es aber über 150 Stück und in meiner Japanzeit sind es bis jetzt nahezu 3000 Fotos. Ich muss da wohl noch das eine oder andere löschen.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Verdammt, ich glaub ich bin in Basel

Vorgestern bin ich in Tokushima angekommen. Für schweizer Verhältnisse eine Grossstadt (über 250000 Einwohner). Vielleicht tu ich Tokushima unrecht, aber ich glaube Horw hat etwa gleich viel zu bieten. Nachdem ich mein Zimmer inspiziert und meinen Plunder abgelegt hatte, stieg ich wieder in den Zug um in Bandou den ersten von 88 Tempel, auf einer Pilgerroute, zu besichtigen. Die Pilgerreise dauert zu Fuss etwa 2 Monate. Für mich also leider nicht mehr machbar. Als ich wieder in meiner neuen Hometown ankam wollte ich noch auf den Hausberg der Stadt. Die Seilbahn war aber schon nicht mehr in Betrieb. Ok, 280 Höhenmeter sollten auch zu Fuss noch zu machen sein. Ich hab mich bei der Seilbahn nach ner Karte umgesehen, konnte aber nichts finden. Deshalb bin ich einfach drauflos gelaufen. Immer bergauf. Irgendwie kam dann die Dunkelheit doch schneller als erwartet und ich hab die Übung vor dem Gipfel abgebrochen. Durch den Wald durch hab ich aber doch noch einen keinen Teil der Stadt zu sehen bekommen. An meinen zweiten Tag in Tokushima wollte ich die Schlossruinen anschauen. Von den Ruinen war jedoch nichts zu sehen. Das einzige was ich fand war der Hügel auf dem das Schloss mal gestanden hat. Der Park um die „Ruinen“ war aber ganz schön. Während den fotografieren von den Libellen hab ich so einige Mückenstiche abbekommen. Da mir die Biester aber schon früher mächtig zugesetzt hatten, war ich mit Anti-beiss-Stift ausgerüstet. Den hab ich in einer Apotheke nonverbal bestellt. Manchmal hilft theäterle mehr als Englisch. Für den Nachmittag hab ich mir Naruto vorgenommen. Da ich aber den falschen Zug erwischte bin ich zuerst mächtig ins Getto raus gefahren. In dem Dorf in dem ich dann aus dem Zug ausgestiegen bin gab’s einen Vergnügungspark aber niemand der sich vergnügte. Ich glaub ich war für dieses Jahr der erste Ausländer der sich nach Nishi-Oe verirrt hatte. Mit dem falschen Zug wieder zurück und dem richtigen nach Naruto. In Naruto gibt’s ne Autobrücke übers Meer. Unter der Autobrücke ist ein Spazierweg angebaut. Teilweise sogar mit Glasboden so dass man das Meer aus 45m Höhe beobachten kann. Unter der Brücke ist der Übergang zwischen dem Inlandmeer und dem Pazifik. Beim Wechsel von Ebbe und Flut kommt es da zu massiven Wasserverschiebungen. Durch diese Wasserbewegung entstehen dann Wasserwirbel. Gemäss Prospekt können die Wirbel bis 20m Durchmesser erreichen. Ich hab Wirbel gesehen, aber die waren viel kleiner. Es war aber Trotzdem ein netter Ausflug.
Heute morgen hab ich mich dann nach Hiroshima begeben. Eigentlich wollte ich noch ein weiters Ziel in Shikoku anpeilen. Da mir aber Tokushima nicht so zugesagt hat, lass ich das nun sein. Hiroshima hat grüne Trams, wie in Basel.

Montag, 23. Juni 2008

Osaka

Am letzten Samstag bin ich von Tone weiter gezogen. Eigentlich wollte ich nach Tokushima. Ich hab mich dann aber noch vor Tokyo um entschieden. Um die Zugfahrt zu verkürzen bin ich nur bis Osaka gefahren. Dort angekommen hab ich mich auf Gutglück beim Shin-Osaka Youth Hostel gemeldet. Das Zimmer das ich bekommen habe war schon mit 5 anderen Personen belegt. Mit mir, war’s dann komplett gefüllt. Das Hostel machte einen ziemlich neuen Eindruck. Der Empfang war im 10ten Stockwerk. Die Schlafräume im 9ten. Die Aussicht war schon mal nicht schlecht. Ich wollte aber noch höher hinaus. Vom Dach (40stes Stockwerk) des UMEDA SKY BUILDING konnte ich mir dann einen richtigen Überblick von Osaka machen. Es sieht nach einer riesigen Stadt aus. Tokyo ist aber noch sechs mal grösser.
Sonntagmorgen: Das Wetter war traurig deshalb suchte ich nach etwas das man im Schärme machen konnte. Nach einem langen Beratungsgespräch mit den Empfangsleuten von Hostel hab ich mich dann entschieden ins Aquarium zu gehen. Als ich dann in Osaka HB den Zug wechseln musste hab ich gemerkt dass es gar nicht mehr regnet. Deshalb wechsel aufs „Schönwetter“-Programm. Castel von Osaka. 1583 wurde es aufgebaut. 32 Jahre später wurde es zerstört. Dann wieder aufgebaut und wieder zerstört. Das Castel das ich besuchte wurde 1931 betoniert. Man sagt aber, dass es der früheren Version entspricht. Ein Schloss braucht natürlich einen Wassergraben. In Osaka gibt’s sogar zwei davon. Und erst noch grosse.Mir ist aufgefallen dass die Fussgängersignale in Osaka so gut wie gar nicht befolgt werden. Deshalb stehen an grossen Kreuzungen immer noch ein paar Polizisten die den Verkehr regeln. Leider hab ich nicht alle miteinander aufs Bild bekommen. Auf dieser Kreuzung standen 9 Uniformierte im Einsatz.

Freitag, 20. Juni 2008

Zurück nach Hause

Ein erster Boxenstop in Tone. Gestern bin ich von Wakinosawa mit der Fähre nach Aomori gefahren. Das Boot gehört ersetzt. Ich bin nicht heikel aber die Sitze waren grusig. Natürlich auch unbequem. Zum Glück war’s nur für eine Stunde. In Aomori hab ich mich dann am Bahnhof erkundigt wie ich nach Fusa kommen kann. Mit dem langsamen Zug hätte ich mein Ziel erst spät in der Nacht erreicht. Die Fahrt wäre 13Stunden gewesen. Der Nachtbus hätte bis Tokyo 10000Yen gekostet. Ankunftszeit heute Morgen. Mit dem Zugticket von Tokyo nach Fusa wär ich dann auf etwa 12000Yen gekommen. Ich hab mich dann für die Shinkansen-Variante entschieden. Kostete zwar 16000Yen, ich war dafür gestern um 17.00Uhr zu Hause. Heute ist ein Ruhetag. Ich schreibe den Blog nach, grosse Kleiderwäsche ist angesagt und Backup-Kopien der Fotos werden gemacht. Am Abend pack ich dann meine Sachen wieder und Morgen mach ich mich wieder auf den Weg. Shikoku ist meine nächste Reiseregion.

18.06.08 Wer kommt mit mir in die Hölle

Ist doch super schön in der Hölle, nicht?
Mit dem Bus bin ich Morgens um 9.00Uhr von Wakinosawa zur Entgegengesetzten Endstation gefahren. Immer schön der Küste nach, den gleichen Weg wie gestern schon. Sorry, ich weiss den Namen nicht mehr, im Reisebuch gibt’s den Ort nicht, auf den Japanischen Karten kann ich den Namen nicht lesen und den Zettel mit der Wegbeschreibung kann die Schreiberin wahrscheinlich selber nicht mehr lesen. Von der Endhaltestelle bin ich dann mit einem zweiten Bus nach Osore-zan gefahren. Hauptsächlich war die Strasse durch den Wald gelegt. Am Strassenrand standen immer wieder kleine Statuen mit roten oder weissen Mäntelchen. Viele Bäume waren gespalten und unnatürlich verchnorzt. Wie in einem Gruselmärli. Auf halber Strecke hat der Chauffeur an einer Quelle hat gemacht. Alle sind ausgestiegen und haben sich einen Schluck Wasser genehmigt. Diesem werden lebensverlängernde Eigenschaften nachgesagt. In Osore-zan war’s ganz schön heiss. Hölle eben. Als erstes bin ich zur Brücke gegangen die man nicht überqueren soll. Kazuo erzählte mir dass man früher glaubte wer da drüber geht kommt nicht mehr zurück. Ich hab’s respektiert und hab die Brücke nebenan benutzt um von beiden Seiten einige Fotos zu machen. Ich glaub nur die Japaner wissen nicht’s von den alten Erzählungen. Die haben munter „schaut ich steh auf der Brücke“ Fotos gemacht. Nach der Brücke bin ich dann in den Tempelpark gegangen. Vor allem am Morgen, als es noch fast keine anderen Besucher hatte, hörte man hauptsächlich drei verschiedene Geräusche. Das Zischen vom ausströmenden Schwefelgas, das einen üblen Geruch verbreitete. Das Blubbern von den heissen Pfützen und das Krächzen der Krähen.
Viele Eltern pilgern an diesen Ort um für verlorene Kinder zu beten.
Bevor ich den Tempel dann wieder verliess, wollte ich noch im Onsen ein Bad nehmen. Meine Hitzeverträglichkeit, was das Badewasser angeht, ist in Japan gestiegen. Das Schwefelwasser war mir aber wirklich zu Heiss. Ich hab’s nicht mal eine Minute ausgehalten.Für mich war Osore-zan bisher einer der schönsten Orte in Japan. Die langen Zug und Busfahrten haben sich auf jeden Fall gelohnt.